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Das benediktinische Leben auf dem Michaelsberg in Siegburg

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bestand die Abtei Michaelsberg schon über 900 Jahre. Sie hatte eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Alle Epochen und Entwicklungen haben etwas Gemeinsames: die Orientierung der Mönche an der Heiligen Schrift und der Benediktsregel. Und so gilt es auch im neuen Jahrtausend, an diese Tradition anzuknüpfen und sie unter den sich immer verändernden Bedingungen zu leben. Eine kleine Gruppe von Mönchen lebte in den geräumigen Abteigebäuden. Die Benediktiner hielten viermal am Tag das Chorgebet in der Kirche und feierten an jedem Tag die Eucharistie. Ihre Erfahrungen mit Gott gaben sie in unterschiedlichster Form an andere Menschen weiter. 

Über 900 Jahre lebten...
und arbeiteten Benediktiner...
als ein Teil von Siegburg.

Unser Tagesablauf

05.45 Uhr Morgenlob (Vigilien und Laudes) 

06.30 - 08.00 Uhr Zeit für Frühstück und persönliche Dinge 

08.00 - 12.00 Uhr Arbeitszeit 

12.15 Uhr Mittagsgebet 

12.30 Uhr Mittagessen 

13.00 - 14.30 Uhr Mittagspause 

14.30 - 17.00 Uhr Arbeitszeit

17.30 Uhr Heilige Messe 

18.15 Uhr Abendessen 

19.15 - 19.45 Uhr Abendgebet (Vesper) 

20.45 - 21.00 Uhr Nachtgebet (Komplet) 

Grundlage des benediktinischen Tagesablaufs sind die Gebetszeiten. Sie sind feststehend und ihnen soll (nach der Benediktsregel) nichts vorgezogen werden. Alle anderen Aktivitäten der Mönche werden um die Gebetszeiten herum gruppiert. Während der Arbeitszeit erledigte jeder Mitbruder, die in seinem Bereich anfallenden Arbeiten. Während des Mittags- und des Abendessens schweigen die Mönche und hören eine Tischlesung (Heilige Schrift, Ordensregel, Toten- und Heiligengedächtnis und interessante Bücher). Die Komplet bildet wirklich den Abschluss des Tages: nach diesem Gebet sind die Mönche zum Schweigen angehalten, das erst nach dem Morgenlob beendet ist. 

Unsere Gebetspraxis

Grundlage das Gebetes der Mönche ist das gemeinsame Chorgebet. Es umrahmt und durchzieht den Tag. Die erste Gebetszeit beginnt mit dem Psalmwort „Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde.“ Diese erste Gebetszeit am frühen Morgen ist von Psalmen und langen Lesungen geprägt. Direkt daran schließt sich die Laudes an. Das aufgehende Licht ist das Symbol dieser Gebetszeit – und Christus ist das Licht, dem sich der Mönch täglich neu zuwenden soll. 

Am Mittag halten die Mönche inne. Sie lassen die Arbeiten liegen und begeben sich zum Gebet in die Abteikirche. Diese Unterbrechung der Arbeit bietet die Möglichkeit zur Besinnung und Orientierung. 

Am Ende des Arbeitstages beten die Mönche die Vesper. Wesentliche Dinge des Tages sind vorüber und die Sonne sinkt. So befehlen die Mönche ihr Tagewerk Gott an und lenken ihren Blick auf Christus, das Licht der Welt. Bevor sie sich zur Nachtruhe begeben treffen sich die Mönche zum letzten Gebet –der Komplet -in der Kirche. Sie legen ihr Leben in Gottes Hand und bitten ihn um seinen Schutz und Segen im Dunkel der Nacht. 

Neben dem gemeinsamen und ritualisierten Gebet in der Kirche hält der einzelne Mönch noch eine eigene Gebetszeit, deren Zeitpunkt er selbst festlegt. Sie ist die Möglichkeit der persönlichen Begegnung mit Gott, Zeit der Zwiesprache, des Fragens und des Hörens auf die Antwort Gottes. 

Das persönliche Gebet wird von der „Lectio divina“ ergänzt, die auch privat gehalten wird. Hauptsächlich werden Texte der Heiligen Schrift gelesen, zusätzlich Texte der Kirchenväter. Dieses Lesen ist mehr, als es unsere Bedeutung des Wortes hergibt. Lesung bedeutet hier: halblaut und mehrmals lesen, den Text verstehen, Textteile auswendig lernen, den Inhalt verinnerlichen, ihn als Wegweisung für das eigene Leben wahrnehmen, sich von ihm prägen lassen... 

Unsere Arbeitsbereiche

Abteistuben 

Die Abteistuben waren eine Speisegaststätte mit Kaffee-und Kuchenangebot. Sie wurde 1989 gegründet und im Juni 2010 geschlossen. Räumlich befand sie sich vor der Abtei und war der ersten Anlaufpunkt für die Besucher des Michaelsberges. Der Cellerar (= Geschäftsführer) des Klosters war für diesen und die anderen Wirtschaftsbetriebe zuständig. In den Abteistuben arbeiteten ausschließlich Angestellte. 

Buch- und Kunsthandlung

Direkt neben den Abteistuben lag die Buch-und Kunsthandlung. Sie wurde am 06.12.1972 eröffnet und im Juli 2010 geschlossen. In ihr wurde ein großes Sortiment an theologischer und geistlicher Literatur, religiöser Kunst und Devotionalien vorgehalten. Und natürlich wurde auch der Siegburger Abteiliqueur verkauft. Auch die Buch- und Kunsthandlung wurde mit Angestellten betrieben. 

Jugendgästehaus „St. Maurus“ 

Das Gebäude des Jugendgästehaus ist seit der Nachkriegszeit als Internat genutzt worden. 1995 wurde es modernisiert und zu einem Jugendgästehaus umgebaut. Die Leitung wurde von einem Mitarbeiter und einem Benediktiner wahrgenommen. Zur Zielgruppe des Hauses gehörten: Schulklassen, Firmgruppen, Pilgergruppen, Pfarrgemeinderäte, Chöre, Jugendgruppen... Sie kamen zu Tages-, Mehrtages-und Wochenendveranstaltungen in unser Haus. Meist brachten die Gruppen eigene Referenten mit. Die Mönche boten einzelne Themen, Gesprächsrunden und Führungen an. 

Liqueurkeller 

In der Herstellung des „Siegburger Abteiliqueurs“ lebt eine alte klösterliche Tradition weiter. Gemäß der Benediktsregel („Die Sorge für die Kranken steht vor und über allen Pflichten.“ RB 36,1) beschäftigten sich die Benediktiner mit der Heilkunde und der Versorgung kranker Menschen. 

Die heute noch genutzte Kombination der Heilkräuter geht auf die Apotheke der alten Abtei zurück (1504). Bei der Säkularisation (1803) wurde das Liqueurrezept an die Siegburger Spirituosenfabrik „Richarz & Heinen“ verkauft. Mit der Wiederbesiedlung der Abtei (1914) gelangte das Rezept wieder in die Hände der Benediktiner. Sie begannen mit der Likörherstellung 1952. 

Es wurden zwei Liqueurvarianten angeboten: ein reiner Kräuterliqueur mit Zuckerzusatz (42 Vol% Alkohol, süß) und ein Liqueur mit der gleichen Kräuterkombination, wobei ein Teil der Zuckermenge durch einen Weinbrand ersetzt wurde (40 Vol% Alkohol, weniger süß, Weinbrandgeschmack). Herstellung und Verkauf des Liqueurs durch Mönche und Angestellte wurden Ende 2011 eingestellt. 

Buchempfehlung:

Seit seinem Erscheinen vor mehr als zwanzig Jahren ist der Kommentar von Abt Georg Holzherr zur Benediktsregel über den deutschsprachigen Raum hinaus maßgebend geworden. Einerseits zeichnet er sich durch die gut lesbare Übersetzung und die wissenschaftliche Genauigkeit der Erklärungen aus, andererseits wendet er sich durch seine Verständlichkeit nicht nur an Fachleute. Vielmehr wird die Lehre des heiligen Benedikt für unsere heutige Zeit zugänglich und fruchtbar gemacht. Daher befasst sich die Auslegung vorwiegend mit der Spiritualität der Regel, die über die Ordensleute hinaus wegleitend für alle Christen sein will.

Buchtitel: Die Benediktsregel: Eine Anleitung zu christlichem Leben

Georg Holzherr
"Benediktsregel: 
Eine Anleitung zu 
christlichem Leben

[gebunden]

ISBN-10: 
3722806356

ISBN-13: 
978-3722806358

Impressionen

Weitere historische Bilder der Abtei Michaelsberg finden Sie in der Rubrik "Impressionen".