Sie befinden sich hier:  Die Benediktiner / Leben als Mönch

Leben als Mönch

Ein Kloster ist ein Ort der Ruhe und Besinnung, ein Hafen des Lebens, eine Oase der Seele. Hier stellen wir Ihnen die Grundlagen des Lebens als Mönch vor:

Alleinsein und Stille

Der Mönch ist ein Christ, der Gott im Ordenslebens sucht. Von der Wortbedeutung her ist der „monachus“ (= Mönch) der „Alleinlebende“. Er ist also ein Mensch mit wenigen und weniger intensiven Bindungen zu anderen Menschen und in diese Welt. Sein Zuhause ist das Kloster. Dort lebt er allein vor seinem Gott und in der Gemeinschaft der Mitbrüder. So kommen beide Elemente zum Tragen. Zum einen steht der Mönch als Einzelperson vor seinem Gott, sucht ihn und lebt in der Beziehung mit ihm. Auf der anderen Seite lebt er eingebettet in die Gemeinschaft der Mitbrüder und pflegt einzelne Freundschaften zu Menschen außerhalb des Klosters. Es geht dabei nicht um eine Form der Askese, sondern um die Ausrichtung auf Gott und die Suche nach IHM mit ungeteiltem Herzen. Die Stille ist ein wesentliches Element dieser Suche. In der Heiligen Schrift finden alle intensiven Gottesbegegnungen in der Stille statt – so scheint sie die Voraussetzung dafür zu sein. Gemeint ist zuerst ein gewisses Maß an äußerer Stille, doch ganz besonders eine Ruhe und Offenheit des Herzens.

Armut – einfacher Lebensstil

Jeder materielle Besitz erfordert Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite ist ein notwendiges Maß an materiellem Besitz für das Leben wichtig. Benedikt formuliert das in seiner Regel so: „Alles Notwendige dürfen sie aber vom Vater des Klosters erwarten, doch ist es nicht gestattet, etwas zu haben, was der Abt nicht gegeben oder erlaubt hat. Alles sei allen gemeinsam", wie es in der Schrift heißt, damit keiner etwas als sein Eigentum bezeichnen oder beanspruchen kann.“ (Benediktsregel 33, 5+6) 

Die Schlüsselworte des Textes sind „alles“ und „Notwendige“. So kann sich der Mönch auf die Haltung einlassen, daß ihm alles (was er benötigt) von Abt gegeben wird. Damit ist er der grundsätzlichen Sorge um die materiellen Dinge enthoben und freier für seine Gottsuche. Doch er selbst ist verantwortlich für seine Wünsche und Bitten an den Abt. Was ist für ihm wirklich not-wendend, wo hat er eine echte Not und wo kann diese Not durch materielle Dinge wirklich gewendet werden? Benedikt stellt dem Mönch in der Gemeinschaft alles Notwendige zur Verfügung und erwartet einen verantwortlichen und sehr sorgsamen Umgang mit den Dingen und Ressourcen.

Ehelosigkeit

Die Ehelosigkeit ist das Kennzeichen der Mönche – zumindest zur Zeit Benedikts, in der priesterliche Zölibat noch nicht verpflichtend war. Die Bindung an einen anderen Menschen in der Ehe ist eine wichtige Entscheidung. Diese ganz intime Verbindung von zwei Menschen soll beide im Leben bereichern und in ihrer Entwicklung helfen. Zudem soll sich die Liebe der beiden Menschen auch im Geheimnis der Weitergabe menschlichen Lebens ausdrücken. 

Auf beide Dinge (enge Verbindung zu einem geliebten Menschen und Zeugung eigener Kinder) verzichtet der Mönch. Dieser Verzicht macht ihn frei von Bindungen und freier für Gott und die Dienste in der Kirche. In unserer Zeit – die der sexuellen Aktivität einen sehr hohen Wert beimisst – ist diese Lebensform kaum verständlich. So wird sie deutlicher zum Zeugnis für den Glauben des Mönches. Weil er glaubt, daß Gott ihm ewiges Leben nach dem Tod schenkt, muss er in diesem Leben nicht alles haben und auskosten. Er kann Verzicht üben und dabei erwartungsvoll auf Gottes Geschenk des ewigen Lebens schauen. So ist Ehelosigkeit ein Weg zu mehr Freiheit auf Gott hin und gleichzeitig ein Zeugnis für die verwandelnde Kraft der Botschaft Jesu.

Gehorsam

Selbst Jesus, der Sohn Gottes sagt von sich: „Ich bin nicht gekommen meinen Willen zu tun, sondern den Willen meines Vaters im Himmel.“ (Joh. 6, 38) 

Gehorsam hat in erster Linie etwas mit hören zu tun. Für uns Menschen ist es wichtig, daß wir in unserer Umwelt und in unserer Gottesbeziehung ein Korrektiv haben. Die Offenheit für die Anmerkungen Anderer bringt unser Leben und unsere Entwicklung voran. So heißt Gehorsam, auf die Stimme und Wegweisung Gottes in meinem Leben zu hören. Es geht um eine Vertiefung der Beziehung zu dem Gott, der den Mönch in seine Nachfolge gerufen hat. Diese Gottesbegegnung geschieht in der Stille, der Lesung der Heiligen Schrift, der Betrachtung und den vielfältigen Formen des Gebets. Gott schickt uns aber auch immer wieder Menschen, die für uns wegweisend sein können. Jesus selbst sagt zu den Aposteln: „Wer euch hört, der hört mich.“ (Luk. 10, 16) 

Deshalb ist Gehorsam eine Lebenshaltung, die mit offenem Herzen und offenem Ohr Gottes Willen für das eigene Leben erkennen und verwirklichen möchte.

Buchempfehlung:

Seit seinem Erscheinen vor mehr als zwanzig Jahren ist der Kommentar von Abt Georg Holzherr zur Benediktsregel über den deutschsprachigen Raum hinaus maßgebend geworden. Einerseits zeichnet er sich durch die gut lesbare Übersetzung und die wissenschaftliche Genauigkeit der Erklärungen aus, andererseits wendet er sich durch seine Verständlichkeit nicht nur an Fachleute. Vielmehr wird die Lehre des heiligen Benedikt für unsere heutige Zeit zugänglich und fruchtbar gemacht. Daher befasst sich die Auslegung vorwiegend mit der Spiritualität der Regel, die über die Ordensleute hinaus wegleitend für alle Christen sein will.

Buchtitel: Die Benediktsregel: Eine Anleitung zu christlichem Leben

Georg Holzherr
"Benediktsregel: 
Eine Anleitung zu 
christlichem Leben

[gebunden]

ISBN-10: 
3722806356

ISBN-13: 
978-3722806358